fbpx

Béla Bartóks Mikrokosmos

Wertvolle Klavierschulen für Anfänger: Béla Bartóks Mikrokosmos & Klavierspielen – mein schönstes Hobby

Béla Bartóks Mikrokosmos

Neben meiner Tätigkeit als Komponist und Barpianist unterrichte ich – mittlerweile seit 28 Jahren – Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Klavierspiel. Unter der Fülle an Lehrwerken stellt sich für Anfänger*innen immer die Frage: Welche Klavierschule ist die Richtige für mich?
Darauf kann und möchte ich hier keine Antwort geben, mich aber heute in diesem Blogbeitrag mit einer ganz außergewöhnlichen Klavierschule beschäftigen, Béla Bartóks Mikrokosmos.

Meine neusten Releases, die am 18. Juni respektive am 2. Juli erscheinen, sind dieses Mal allen Lernenden gewidmet. Für alle, die Klavierspielen möchten, habe ich zwei besonders lehrreiche Klavierschulen als Lernhilfe eingespielt, die es jetzt zum Nachhören auf Spotify & Co gibt: Band 1 von Bartóks Mikrokosmos und Hans-Günther Heumanns Einstiegswerk Klavier spielen – mein schönstes Hobby. Denn Noten lesen und die richtigen Töne treffen ist am Anfang nicht alles – wichtig ist es vor allen Dingen auch, eine Klangvorstellung des Instruments zu entwickeln.

Was Bartóks Mikrokosmos so besonders macht und welche Rolle unter anderem Bauernmusik dabei spielt, darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Béla Bartók und die Bauernmusik

Belá Bartók gilt heute als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. 1881 wurde er in einer kleinen Stadt in Rumänien, damals Österreich-Ungarn, geboren, erhielt zunächst Klavierunterricht von seiner Mutter und studierte später Klavier und Komposition in Budapest. Bekannt wurde er u. a. dafür, dass er Elemente der Volksmusik in die klassische Kompositionskunst mit aufnahm und so einen neuen, ganz eigenen Stil kreierte.

Im Alter von 24 Jahren begann Bartók systematisch Volkslieder oder auch „Bauernmusik“, wie er sie nannte, zu sammeln und erforschen. Dazu unternahm er zahlreiche Exkursionen in abgelegene Gebiete Ungarns, Rumäniens, Bulgariens und darüber hinaus. Denn die Bauernmusik wurde nicht niedergeschrieben und bis dato nur mündlich überliefert. Gemeinsam mit seinem Freund Zoltán Kodály machte sich Bartók mit Phonographen und Wachswalzen ausgestattet auf in entlegene Dörfer und Landschaften. Während seiner Reisen sammelte er mehr als 9.000 Melodien unterschiedlicher Kulturkreise, die er analysierte und teilweise veröffentlichte.

Meine eigentliche Idee aber ist die Verbrüderung der Völker, eine Verbrüderung trotz allem Krieg und Hader. Dieser Idee versuche ich in meiner Musik zu dienen; deshalb entziehe ich mich keinem Einflusse, mag er auch slowakischer, rumänischer, arabischer oder sonst irgendeiner Quelle entstammen.“
Béla Bartók, 1931

Für Bartók bedeutete die Bauernmusik mit ihren Kirchen- und pentatonischen Tonarten auch eine Emanzipation von der damals vorherrschenden Dur-Moll-Tonalität und die Möglichkeit, daraus eine neue moderne Musik zu schöpfen, ohne dabei auf die Zwölftonmusik zurückzugreifen.

Ein Mikrokosmos für Klavieranfänger*innen

Bartók unterrichtete seinen Sohn auf dessen Wunsch im Klavier – und eben diesem widmete er die ersten Hefte des Mikrokosmos. Sechs Bände umfasst das pädagogische Werk, das in zunehmender Schwierigkeit geordnet ist: von leichten Übungen für den Anfangsunterricht bis hin zu virtuosen Charakterstücken für fortgeschrittene Pianist*innen. Die kurzen Stücke des Mikrokosmos, insgesamt 153 an der Zahl, entstanden über einen Zeitraum von 12 Jahren, zwischen 1925 und 1938.

Im Gegensatz zu den meisten Klavierschulen verzichtet der Mikrokosmos auf allgemeine theoretische oder technische Einführungen. So findet sich in ihm eine vielfältige Mischung aus Vorübungen, kurzen Kompositionen, Stücken zur spieltechnischen Übung sowie zu musikalischen Phänomenen und Charakterstücken.

Dabei hat jedes der Stücke eine spezifische, gut durchdachte Aufgabe. Das fokussierte Thema lässt sich häufig bereits aus der Betitelung entnehmen, z. B. Punktierte Noten, Synkopen,
Parallelbewegung, Lagenwechsel, Dorische oder Phrygische Tonart. Im Mikrokosmos behandelt Bartók elementare kompositorische Mittel, bereits im ersten Band gibt es sogar Polyphonie. Besonders in der Verwendung der Kirchentonarten und teils ungewöhnlichen Metren lassen sich klare Einflüsse der Bauernmusik Südosteuropas raushören. So hat Bartók ein spannendes Lehrwerk geschaffen, das bis heute nichts an Modernität einbüßt.

Klavierspielen – mein schönstes Hobby

von Hans-Günter Heumann, erschienen im Schott Verlag

Zugegeben, nicht alle finden einen direkten Zugang zu Bartóks Klavierschule. Es ist und bleibt natürlich Geschmackssache. Eine wertvolle und klanglich herkömmlichere Alternative bietet auch Hans-Günter Heumanns Anfängerschule Klavier spielen – mein schönstes Hobby. Dieser Klassiker der deutschsprachigen Klavierliteratur richtet sich mit abwechslungsreichen Übungen sowie Stücken aus Klassik und Popmusik (auch über die klassischen Anfängerstücke im Fünftonraum hinaus!) an jugendliche und erwachsene Einsteiger*innen.

Klavier lernen mit Unterricht

Sie möchten Klavier lernen? Auch während der Corona-Pandemie gebe ich Klavierunterricht in meinem 36 qm großen Studio in Köln – mit Abstand und unter Berücksichtigung der Hygienemaßnahmen oder online. Außerdem produziere ich Musikvideos zum Zuhören, Zuschauen und Lernen. Schauen Sie auf meiner Unterrichtsseite oder meinem Youtube-Kanal vorbei.

Neuerscheinungen im Juni & Juli

Die Einspielungen von Mikrokosmos (Band 1) und Klavierspielen – mein schönstes Hobby (Band 1) erscheinen am 18.06. und am 02.07.2021. Zu hören gibt es beide Releases auf den großen Streaming-Plattformen wie AppleMusic, Deezer und Spotify.

  • beide Alben zu hören auf den großen Streaming-Portalen
  • Video Neuerscheinungen Juni/Juli 2021
  • Die Klaviernoten sind erschienen im Boosey & Hawks Verlag (Mikrokosmos) und im Schott Verlag (Klavierspielen – mein schönstes Hobby)

Ragtime von Scott Joplin und ein Blues in Moll: Vorläufer des Jazz

Ragtime von Scott Joplin & ein Blues in Moll

Vorläufer des Jazz

Nach einer Veröffentlichungsreihe von Klassik-Einspielungen zur Jahreswende geht es dieses Mal zurück zu den Wurzeln des Jazz. Und zwar gleich mit einem Doppel-Release: Diesen Februar erscheint meine EP Ragtime – Marcus Sukiennik plays Scott Joplin sowie die Erstveröffentlichung meiner Eigenkomposition Shout Out Blues.

Neben einigen Hintergrundinfos zu der Stückauswahl möchte ich mit diesem Blogbeitrag eine kleine Einführung in Entstehung und Merkmale von Ragtime Piano geben.

„King of Ragtime“ – Scott Joplin

Er feierte als einer der ersten afroamerikanischen Komponisten internationale Erfolge – Scott Joplin, der „King of Ragtime“. Vier seiner bekanntesten Titel habe ich für meine EP eingespielt. Gleichzeitig sind sie mein persönliches Best-of: The Entertainer, Maple Leaf Rag, The Easy Winners und The Great Crush Collision March.

Geboren wurde Scott Joplin in den 1860er Jahren in Texas, wo er bereits in jungen Jahren als Barpianist spielte. Mit Anfang 30 schrieb er ein Stück, das als Meilenstein in die Musikgeschichte eingehen sollte: Die gedruckten Notenblätter des Maple Leaf Rag verkauften sich nach ihrem Release im Jahr 1899 mehr als eine Millionen Mal. Das hatte es zuvor nicht gegeben.

Wenige Jahre später, 1902, komponierte Joplin sein heute wohl populärstes Stück, The Entertainer. Ein raffinierter Ohrwurm, der einigen auch aus den endlosen Verfolgungsjagden der Zeichentrickserie Tom und Jerry bekannt sein dürfte. Für alle Cineast*innen, bei denen Cartoons weniger punkten können: Weltberühmt wurde der Rag im Jahr 1973 durch den Kinohit The Sting, dessen Soundtrack von den Kompositionen Joplins lebt. Mit dabei auch The Easy Winners. Dank der gelungenen Vertonung des wirklich sehenswerten Spielfilms erfuhr Ragtime in den 1970ern ein regelrechtes Revival.

Kommen wir zum letzten Stück, das ich für die EP aufgenommen habe. Scott Joplin widmete The Great Crush Collision March einem spektakulären, aber tragischen Ereignis. Der Marsch ruft den inszenierten Eisenbahnunfall von 1896 hervor, eine Marketingaktion der Texaner Eisenbahngesellschaft, die als Spektakel zwei Lokomotiven frontal zusammenstoßen ließ. Ein Publikum von mehreren Tausenden hatte sich zu dem Ereignis versammelt, drei Menschen starben jedoch bei der Explosion und mehrere wurden verletzt.

Scott Joplin im Alter von ungefähr 35 Jahren

Ragtime: Geschichte und Merkmale

Ragtime hat seinen Ursprung in den afroamerikanischen Communities von St. Louis, Missouri. Dort entwickelte sich das Genre in den 1890ern als Tanz- und Unterhaltungsmusik, deren Beliebtheit ihren Höhepunkt zur Wende des 20. Jahrhunderts erreichte – und von den USA schließlich bis nach Europa rüber schwappte.
Der Name Ragtime leitet sich von ragged time (dt. „zerrissene Zeit“) ab, zurückzuführen auf die zeitliche Verschiebung zwischen Melodie und Begleitung, die so markant für den Stil ist.

Musikalisch kommt hier einiges zusammen: Afrikanische Rhythmen, Elemente der afroamerikanischen Folklore sowie der europäischen Klassik. Die linke Hand springt und spielt einen gleichmäßigen begleitenden Rhythmus, während die synkopierte Melodieführung der rechten mit ihren kleinen Zeitversetzungen für einen besonderen Charme sorgt.

Ragtime wird heute vor allen Dingen als Klavierstil wahrgenommen, wurde ursprünglich aber auch auf anderen Instrumenten und im Ensemble gespielt. Sie galt als Gebrauchsmusik – Joplin wollte seine Rags auf die Bühne in den Konzertsaal bringen, er schrieb unter anderem zwei Opern, die jedoch zu seinen Lebzeiten leider wenige Beachtung fanden.

Von Ragtime zu Blues und Jazz

Die Ära des Ragtime endete um 1917 mit dem Tode Scott Joplins. Aus ihr gingen neue Genres hervor, Vorläufer des Jazz, wie Stride-Piano und Blues erfreuten sich einer zunehmenden Beliebtheit. Während sich ganz klare Parallelen zwischen Stride-Piano und Ragtime aufweisen lassen, liegt ein großer Unterschied darin, dass Ragtime notengebundene, komponierte Musik ist – im Gegensatz zum Harlem Stride, den Elemente der Improvisation prägen.

Zwei Beispiele für Stride-Piano finden Sie auf meinem Album All-Time Standards:
Satin Doll und Honey Suckle Rose.

Album Cover "Ragtime, Marcus Sukiennik plays Scott Joplin"
Album Cover Shout Out Blues

Neuerscheinungen im Februar 2021

  • EP Ragtime – Marcus Sukiennik plays Scott Joplin erscheint am 05.02. und der Single-Track Shout Out Blues am 19.02.2021 auf Streaming-Portalen bzw. zum download
  • Video Neuerscheinungen Februar 1 & 2 auf YouTube
  • Lern-Video (auf die Hände Ansicht)
  • Shout Out Blues Leadsheet C-Stimme PDF (Melodie mit Akkordsymbolen)

Von Cabezón über Frescobaldi bis William Byrd

DIE ANFÄNGE DER KLAVIERMUSIK​​

Von Cabezón über Frescobaldi bis William Byrd

Erhebend, so wünsche ich mir den Jahreswechsel nach den Herausforderungen von 2020. Heute erscheint meine neue Single, eine Piano-Bearbeitung von Händels Arie Ombra mai fu. König Xerxes Ode an die Schatten spendende Platane ist ein barockes Meisterwerk, das bis heute berührt – anmutig und aufbauend, ein beseelter Auftakt zum neuen Jahr.

Noch ein bisschen weiter zurück in die Musikgeschichte möchte ich Sie mit diesem Blogbeitrag nehmen. Eine Neueinspielung der ersten Ausgabe meiner Werkreihe Lebendige Tonwelt erscheint am 22. Januar. Eine wesentlich bessere Aufnahmequalität hat mich motiviert, die Reihe neu zu veröffentlichen. Freuen Sie sich auf High-Resolution Audio.

Die musikalische Reise führt ins 16. Und 17. Jahrhundert. Lebendige Tonwelt Vol. 1 umfasst große Namen europäischer Meister, die jedoch außerhalb der eingeschworenen Klassikhörerschaft kaum bekannt sind. Antonio de Cabezón, Girolamo Frescobaldi, William Byrd und andere – es sind Raritäten der Alten Musik. Kompositorisch hat sich in dieser Zeit einiges entwickelt, von der Notenschrift über Instrumentenbau bis hin zum Tonsatz. Um diese Entwicklungen soll es hier heute gehen.

Meister der Polyphonie: Cabezón und Frescobaldi

Meine Erkundung der klassischen Klaviermusik konnte nicht anders als dort beginnen, wo die ersten verlässlichen Notationen für Tasteninstrumente entsprangen: im Zeitalter der Renaissance. Bis dato genutzte Notationssysteme stützten sich auf mündliche Überlieferungen, waren ungenau und interpretierbar. Der spanische Komponist Antonio de Cabezón (1510-1566) war einer der ersten, der seine Kompositionen in dieser neuartigen Tabulaturschrift veröffentlichte. Auf unspektakuläre Art wunderbar ruhig und fließend erklingt Diferencias Sobre el Canto Llano del Caballero aus Cabezóns im Jahr 1578 veröffentlichten Sammelwerk Obras de música, das ich für Lebendige Tonweltgewählt habe.

Etwa 50 Jahre später, 1635, erscheinen die Fiori musicali von Girolamo Frescobaldi (1583-1643). Als „Riese unter den Organisten“ von seinen Zeitgenoss*innen bewundert, spielte Frescobaldi damals am Petersdom. Frescobaldi pflegte das virtuose Spiel, das improvisierte Ausschmücken einer ausdrucksstarken Darstellung – eine Vorliebe, die sich im Laufe des Barocks allseitig weiter ausprägte. Drei herausragende Stücke der musikalischen Blüten Frescobaldis finden sich nun auf Lebendige Tonwelt Vol 1. wieder: Toccata Avanti la Messa della Domenica, Kyrie della Domenica und die Toccata cromatica per l’Elevatione.

Cabezón und Frescobaldi sind zwei Meister der polyphonen Musik. Ihr Kompositionsstil war geprägt vom Ideal der menschlichen Stimmen und orientierte sich am choralen Gesang. Im polyphonen Satz sind alle Stimmen rhythmisch und melodisch eigenständig – und aus dieser Mehrstimmigkeit entsteht ein musikalisches Gewebe, zu dem alle Stimmen mehr oder weniger gleichermaßen ihren Teil beitragen.

Das Fitzwilliam Virginal Book: Ein Meilenstein mit William Byrd u. v. a.

Die zweite Hälfte der Kompilation umfasst verschiedene Stücke, die aus dem Fitzwilliam Virginal Book stammen. Als eine der bedeutendsten historischen Sammlungen für Tasteninstrumente schlechthin, enthält das Fitzwilliam Virginal Book um die 300 Kompositionen für das Virginal, einer kleineren Bauform des Cembalo. Die Stücke stammen aus dem späten 16. bis frühen 17. Jahrhundert Englands. Darunter Werke von William Byrd, dem wichtigsten Komponisten der Tudor-Periode.

Umstritten ist bis heute die Frage nach dem Urheber der Handschrift. Ein in der Forschung besprochener Kandidat ist der englische Komponist Francis Tregian der Jüngere. Dieser wurde aufgrund seines katholischen Glaubens verweigerter Teilnahme am anglikanischen Gottesdienst verurteilt. Vermutet wird, dass er das Fitzwilliam Virginal Book in den langen Jahren seiner Gefangenschaft verfasste.

Pianist Köln Marcus Sukiennik

Durchbruch der Homophonie

Tänzerisch sind die Kompositionen, wie das Stück Alman XC von Martin Peerson oder
Muscadin XIX von anonymem Urheber. Es sind klare, eingängigere Melodien als die ihrer Vorläufer, geprägt durch den homophonen Satz. Eine Stimme führt melodisch und wird von Akkorden begleitet. Die Homophonie in der Instrumentalmusik erfuhr ihren Durchbruch in der Barockmusik – und ist heute der gebräuchliche Tonsatz in der Popmusik.

Album Cover Ombra mai fu
Neu designtes Album Cover Lebendige Tonwelt | Vol 1

Neuerscheinungen im Januar 2021

Ombra mai fu erscheint als Single Track am 01.01., die Kompilation Lebendige Tonwelt Vol. 1 am 22.01.21.

Zu hören sind die Stücke auf allen gängigen Streaming-Plattformen, Ombra mai fu hier und das Album Lebendige Tonwelt an dieser Stelle. Passend dazu werde ich ebenfalls Lernvideos veröffentlichen, die eine Sicht auf die Finger ermöglichen. Mehr hierzu später.

Einen guten Start in das neue Jahr wünscht Ihnen

Marcus Sukiennik

Release Übersicht

  • OmbraMai fu Single-Track und das Album Lebendige Tonwelt Vol 1  mit neun Titeln auf Streaming-Portalen bzw. zum download
  • Video Neuerscheinungen Januar 2021
  • Lern-Video (auf die Hände Ansicht) des Albums Lebendige Tonwelt Vol 1

Begegnungen in der Piano Bar

Begegnungen in der Piano Bar

10 JAHRE EXCELSIOR HOTEL ERNST

Als Musiker schätze ich die kreativen Momente, alleine in meinem Studio, fokussiert auf das Schreiben und Spielen von Musik. Aber genauso liebe ich es, Musik live vor Menschen zu performen, Augenblicke und Stimmungen zu teilen. Wie die meisten Künstler*innen stehe ich aktuell nicht auf der Bühne und auch in meinem zweiten Zuhause, dem Excelsior Hotel Ernst in Köln, habe ich schon länger nicht mehr hinter dem Flügel Platz genommen.

Auf dieses ungewöhnliche Jahr fällt für mich ein besonderes Jubiläum: Seit 10 Jahren spiele ich nun regelmäßig als Pianist in der Piano Bar des Excelsior. Im normalen Betrieb bedeutet dies, dass ich mehrere Abende in der Woche in der Bar des Hotels verbringe. In feierlichen Gedanken an dieses schöne Jubiläum ist ein neues Stück entstanden: E-H-E. Mit diesen Tönen beginnt und endet die gleichnamige Komposition – ganz so, wie die Initialen des Excelsior Hotel Ernst.

Über meine Abende als Hauspianist der Piano Bar und ihre besonderen Gäste möchte ich hier heute, zur Veröffentlichung von E-H-E, ein bisschen erzählen.

Piano Bar Excelsior Hotel Ernst: Mahagoni und Gershwin

Das Excelsior Hotel ist ein traditionsreiches Haus. Und so auch seine Piano Bar, die es bereits seit den 1870er Jahren gibt und die sich bis heute als Geheimtipp unter den Kölner Live Bars behaupten kann. Nicht nur wegen ihrer attraktiven Lage direkt neben dem Dom (so hoffe ich zumindest). Sondern auch weil sich rumgesprochen hat, dass sich hier außergewöhnlich gute Drinks zu unaufdringlichen Klaviertönen genießen lassen.

Die stimmungsvolle Atmosphäre in der Piano Bar wird durch ihr charmantes Interieur unterstrichen. Vertäfelung in dunklem Mahagoniholz, gedämpftes Licht und Sitzecken aus gelbem Leder. Von meinem Instrument aus sehe ich auf eine farbenprächtige, wechselnde Blumendekoration. Betritt man die Bar, lässt man das rege Treiben von Hauptbahnhof und Domplatte hinter sich. Als tauche man ein in einen kleinen Kosmos mit eigenen Regeln für Raum und Zeit.

Begegnungen in der Piano Bar

Als Barpianist gehe ich in diesen Räumlichkeiten regelmäßig seit 2010 ein und aus. Die Piano Bar ist tagsüber zum Kaffee geöffnet, ich spiele aber hauptsächlich abends, von 19 Uhr bis nach Mitternacht. Die Bar wird sowohl von Ansässigen als auch von Hotelgästen besucht, allein oder in Begleitung und aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manch einer kommt für die guten Cocktails vorbei, um in einer Runde mit anderen zu feiern, oder den stressigen Tag entspannt ausklingen zu lassen. Manche kommen auch für die Musik.

Neben Stammgästen sehe ich häufig neue Gesichter. Manchmal ist viel los, ein anderes Mal bleibt es ruhig. Wann der Strom an Besucher*innen auf- und abschwillt, lässt sich im Voraus meistens nur schwer erahnen. Plötzlich explodiert es und genauso leeren sich die Räume der Bar mitunter nahezu unbemerkt. Das Team um Barchef Matthias Allgaier ist mir sehr ans Herz gewachsen. Einige sind schon so lange da, wie ich. André Todorovic beispielsweise. Er hat in der Piano Bar seine Ausbildung gemacht und ist nun bereits Bar Supervisor. Er dürfte meine Musik mittlerweile ziemlich gut kennen. Es amüsiert mich, wenn er meine Kompositionen mitpfeift, als wären es Gassenhauer.

Was sich grundsätzlich beobachten lässt: Es sind die Menschen, die die Atmosphäre in der Piano Bar ausmachen. So kann die ganz unterschiedliche Zusammensetzung des Publikums zu besonderen Momenten führen.

Zu meinen aufmerksamen Zuhörern zählt ein älterer Herr aus England, den es dann und wann in die Stadt am Rhein verschlägt. Er lässt sich stets einen Sessel direkt neben dem Flügel aufstellen und erfreut sich besonders an alten Swing-Stücken. Im Gegenzug erhalte ich für den Abend wunderbaren britischen Humor. (Dazu gesellt sich ein gutmütiger Zuspruch, den ich insbesondere bei Menschen beobachtet habe, die die Kämpfe des Lebens gefochten und nunmehr Interesse daran haben, dass sich ihr Gegenüber wohlfühlt.) Ein handschriftlicher Brief erreichte mich Wochen später nach unserer ersten Begegnung im Hotel. Unbezahlbar!

Geschmäcker, Befindlichkeiten und Hörgewohnheiten sind verschieden. Als Barpianist braucht es daher mehr als musikalisches Talent – nämlich vor allen Dingen ein Fingerspitzengefühl, dass auf die Hörerschaft reagiert, um die Atmosphäre des Augenblicks mitzugestalten. Man kann es natürlich nicht immer allen recht machen. Einem älteren Herren, der in die Piano Bar gekommen war, erging es offenbar auch nicht ganz so, wie er es sich vorgestellt hatte. Sein Fazit zu meiner Eigenkomposition Unusual Piano Groove: „Das klingt ja, als sei eine Platte gesprungen“.

Manchmal treten auch ganz unerwartete Gemeinsamkeiten zutage: Ein Stammgast arbeitet gelegentlich an seinem Laptop in der Piano Bar. Er kommt eigens für das schöne Ambiente. Trotz Arbeit hat er alle Antennen auf Musik gestellt und bemerkt es jedes Mal, wenn ich ein neues Stück präsentiere. Dann plauschen wir ein wenig. Zum ersten Mal nach meiner Komposition Peanuts Song. Aufgewachsen mit Charlie Brown und Co, war ich immer beschwingt und fasziniert von der Musik. Ohne etwas davon erzählt zu haben, sprach er mich nachdem Titel prompt darauf an, dass ihn das Stück an die Peanuts erinnere. Was für eine schöne Überraschung! 

Spielzeiten in der Piano Bar

Update 2023:
Fr & Sa: 19 – 24 Uhr

Wintergarten: gelegentlich So, 13.00 – 15.00 Uhr 
(aktuell ca. 1-2x monatlich)

Aktuelle Informationen direkt beim Excelsior Hotel Ernst

E-H-E. Drei Töne für das Excelsior Hotel Ernst

Mit E-H-E fällt der Startschuss zu einer Reihe an Neuerscheinungen, die ich in den nächsten Monaten veröffentliche.

Zu hören ist das Stück ab dem 4.12. hier auf allen gängigen Streaming-Plattformen und
erhältlich als Download in 192 kHz 32 Bit High Resolution Audio. Passend dazu gibt es auch Klaviernoten und Leadsheet sowie ein Lernvideo mit Sicht auf die Finger – dies alles bald erhältlich in meinem neuen Shop.

Ich freue mich darauf, Ihnen vielleicht einmal persönlich zu begegnen, wenn sich die Türen der Piano Bar in Zukunft wieder für Gäste öffnen. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und kommen Sie gut durch den Winter.

Herzlichst
Marcus Sukiennik

Album Cover E-H-E

E-H-E. Release Übersicht

  • Audio-Track auf Streaming-Portalen bzw. zum download
  • Jubiläums-Video
  • Lern-Video (auf die Hände Ansicht)
  • Klaviernoten PDF (wie auf Aufnahme gespielt)
  • Leadsheet C-Stimme PDF (Melodie mit Akkordsymbolen)